Wie umarmt man ein Krokodil oder warum wir uns auch mit dem ungemütlichen Gefühl der Trauer auseinandersetzen sollten

Dieser Blog-Beitrag ist heute von Kathrin Keller, Diplom-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. 

wie-umarmt-man-ein-krokodil-1Was für eine Vorstellung hast du von Bewusstsein? Ist es für dich veränderbar, etwas, das du in der Hand hast?

Hast du Gefühle, die du in dieses Bewusstsein nicht vordringen lässt, weil sie dir gefährlich vorkommen?

Hast du dich irgendwann einmal dazu entschieden, Gefühle wegzudrängen und fühlst dich jetzt hin und wieder leer und fremd?

Wenn du kleine Kinder beobachtest, dann ist ganz offensichtlich, dass sie in einer „anderen Welt“ leben, die durchdrungen ist von Geschichten und Spielen, und die sich nur durch ihre Spontaneität, Lebenslust und Kreativität erfassen lässt. In dieser Welt werden alle Gefühle direkt und unmissverständlich ausgedrückt. Wut ist Wut, und zwar laut und deutlich. Wer traurig ist ist nicht fröhlich, und tut auch nicht so. Der Körper unterstützt den Ausdruck der Traurigkeit durch Tränen und eine defensive Körperhaltung.

Wer gerade etwas zu lachen hat, zeigt dies nicht nur unterdrückt und heimlich, sondern sucht sich dafür gerne einen Spielkameraden im gleichen Alter, um die Freude so richtig auszukosten!

Gefühlen wird Ausdruck im Körper und in der Stimme verliehen und sie werden miteinander erlebt. Sie beleben das Spiel und den Geist.

Genauso wenig wie ein kleines Kind schon gelernt hat, dass manche Gefühle weniger sozial erwünscht sind als andere, hat es schon die Möglichkeit gefunden, Gefühle zurückzuhalten, sie zu unterdrücken und nach außen hin etwas anderes vorzutäuschen, das zeigen neurologische Untersuchungen klar und deutlich. Wenn das Gehirn reift und seine Fähigkeit zu rationalisieren stärker wird, fallen Gefühle oftmals unter den Tisch, dabei sind sie es, die unserem Alltag, unseren Beziehungen und unserem Leben Sinn und Inhalt verleihen.

Warum ist das so?

Kann es sein, dass wir nicht gelernt haben, mit Gefühlen umzugehen und sie einfach aus Unwissenheit stiefmütterlich behandeln?

 

EINES DER GEFÜHLE, DIE AM WENIGSTEN GESELLSCHAFTLICH AKZEPTIERT IST, IST DIE TRAUER.

wie-umarmt-man-ein-krokodil-2Die Verständnis über Trauer kehrt erst langsam in unsere Gesellschaft zurück, doch ist sie ein Gefühl, dass viele verschiedene Facetten hat und daher nicht leicht zu fassen ist.

Sie kann sich unterschiedlich äußern, durchläuft unterschiedliche Phasen und zieht, falls sie nicht zugelassen wird, oftmals langwierige und schwer zuzuordnende Symptome nach sich.

Trauer, die nicht gelebt und gefühlt wurde, kann uns depressiv machen, Schmerzen verursachen und zur Sucht führen.

Trauer ist eine normaler Reaktion auf einen Verlust, daher kann sie auch als Ausdruck von Liebe bezeichnet werden. Und sie kann sich in Gefühlen wie Verlassenheit, Hilflosigkeit, Beklemmung, Ohnmacht, Wut, Angst, Zorn und manchmal auch Erleichterung zeigen.

Auch körperliche Reaktionen wie Müdigkeit und Empfindlichkeit gegenüber Außenreizen sind häufig.

 

UND WARUM IST GERADE DIE TRAUER THEMA AUF EINEM LEBENSFREUDE-BLOG, MAGST DU DICH JETZT FRAGEN

Lass mich dazu eine kleine Geschichte erzählen:

Es gibt einen Stamm in Afrika, der sich mit Trauerritualen sehr gut auskennt.

Es werden mehrere große Trauerrituale im Jahr durchgeführt, und zwar immer dann, wenn…

Wenn das Lachen in den Häusern des Stammes und das Lächeln aus den Gesichtern der Menschen verschwindet, dann ist es Zeit für ein Trauerritual.

Dazu wird über mehrere Tage die Möglichkeit gegeben, Trauer in verschiedenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, denn was ausgedrückt ist, kann auch losgelassen werden, und verschwindet.

Ausdruck zu finden für Tränen, Jammern, Wüten, Klagen… das kennen wir hierzulande kaum noch.

Gemeinsam in der Gruppe, gehalten von Freunden und Familie, können auch diejenigen das Trauern wieder erlernen, denen diese Fähigkeit durch ihre Erziehung und/ oder Kultur abhanden gekommen ist.

Und wenn die Tränen geflossen sind, die Schreie der Verzweiflung über einen Verlust gehört und gefühlt, wenn die Wut da sein durfte mit ihrem Feuer, ihrer Kraft, dann kann neues Leben entstehen, dann kann weitergegangen werden in eine neue Lebensphase.

Und dann kann auch die Freude wieder kommen. Leicht, unbedarft, und frisch wie der Frühling.

Denn Trauer und Freude sind zwei Seiten einer Medaille.

Gefühle sind E-Motionen und das bedeutet im eigentlichen Wortsinn Energie in Bewegung.

Gefühle kommen und gehen und während sie bei uns sind, wollen sie wahrgenommen werden.

Trauer trägt Herausforderungen in sich. Sie kann uns auseinandernehmen, unseren Alltag umwerfen und dazu beitragen, dass wir alles und jeden hinterfragen. Wenn wir dabei alleine sind und uns unverstanden fühlen, kann uns das brechen. Es kann zuviel sein, diese Reise alleine zu machen.

Wenn wir diese Herausforderung annehmen können, kann das dazu beitragen, dass wir gereinigt und frisch, ja erfrischt, aus dem Trauerprozess auftauchen.

Das größte Problem ist vielleicht gar nicht die Trauer, sondern das fehlende Verständnis und die fehlende soziale Unterstützung.

In meine Praxis kommen immer wieder einmal Menschen mit Stress- und Burnout-Symptomen bei denen nach kurzer Zeit deutlich wird, das ein unverarbeiteter Trauerprozess zugrunde liegt.

Vier Punkte, um das Trauern zu unterstützen:

An dem oben beschriebenen Trauerritual kann auch hierzulande teilgenommen werden. Der Medizinmann und Stammesführer der Dagara Malidoma Patrice Somé kommt einmal im Jahr nach Deutschland und bietet hier tief berührende und transformierende Trauerrituale an. Mehr Informationen dazu sind hier zu finden:

malidoma.com

Wer sich in einem Trauerprozess befindet kann hier gute Lektüre finden:

Kachler, Roland: Meine Trauer wird dich finden: ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit, Kreuz, 2005.

Begleitung und Beratung können Leben retten, denn das menschliche Mitgefühl ist heilsam und zutiefst berührend.

Wir können nur miteinander gesund sein. Eine Weisheit, die es in unserer schnelllebigen Konkurrenzgesellschaft wieder zu erlernen gilt.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass du, der du diesen Artikel bis zu Ende gelesen hast 🙂 falls du dich in einem Trauerprozess befindest oder spürst, dass es in dir unverarbeitete Trauer gibt, dich aufmachst, Gleichgesinnte suchst und deine Trauer in fruchtbare Erde verwandelst, auf der dein neues Leben wachsen kann.

 

wie-umarmt-man-ein-krokodil-3Lieben Dank Kathrin für Deinen Artikel!!!

Hier noch weitere Infos zu Kathrin Keller, Diplom-Psychologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, arbeitet seit 10 Jahren in ihrer eigenen Praxis in Berlin. Sie ist Autorin und Dozentin, Trainerin und … Mensch. Und als dieser ist sie durch alle möglichen Höhen und Tiefen gegangen, die es ihr ermöglicht haben, von Lehrern aus der ganzen Welt und dem Leben selbst zu lernen und dieses alte Wissen nach und nach in das Wissen unserer westlichen Kultur einzuweben. Ihren Blog betreibt sie unter www.lebensenergie.online
Von Herz zu Herz

Anja

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